Untersuchungs- und Therapietechniken

Neue Denkweisen erfordern neue Arbeitsweisen. Vorhandene Denk- und Arbeitsweisen müssen gesichtet, neu bewertet und ergänzt werden. Durch neue Erkenntnisse werden bestehende Auffassungen nicht entwertet, sondern ergänzt.

Der moderne Arzt therapiert nicht selbst, sondern lässt therapieren. Arzneien werden vom Apotheker verabreicht. Röntgenaufnahmen werden von der MTA durchgeführt. Physiotherapie macht der Physiotherapeut, Massagen der Masseur. Labor macht die Laborantin.

Der moderne Arzt sitzt am Bildschirm und wertet aus, was andere durchgeführt haben. Hinzu kommt die Zerfledderung der Medizin in eine Vielzahl einzelner Fachgebiete.

Die Biokinematik betrifft den gesamten Körper als Ganzes. Wenn eine Hand gehoben wird, muss der Fuß zwangsläufig gegenhalten. Die das Herz-Kreislauf-System müssen gleichfalls reagieren. Das Heraushalten eines Teils des Körpers aus der Betrachtung ergibt keinen Sinn. Eine Beschränkung auf einzelne Organbereiche führt zu Fehlschlüssen.

Die Erkenntnisse aus der Biokinematik erzwingen den Erwerb neuer ärztlicher und physiotherapeutischer Fertigkeiten und Fähigkeiten. Während. der moderne Arzt kaum noch selbst therapiert, ist hier in vollem Maße eigener physischer Einsatz gefragt. Technische Hilfsmittel sind nur sehr beschränkt einsetzbar.

 

Theorie der Kinematik/Kybernetik

Wie in jedem anderen Fachgebiet auch, ist die Basis eines zielgerichteten Handelns die Beherrschung der theoretischen Grundlagen. Die Kinematik muss nicht soweit beherrscht werden, dass der einzelne Arzt in die Lage versetzt wird, den Menschen neu zu konstruieren. Er muss jedoch in der Lage sein, abzuschätzen, welche konkrete Folgen eine bereits eingetretene Änderung der Kinematik für den Patienten bedeutet. Daraus. sind dann die zugehörigen Therapieschritte und auch die Prognose abzuleiten. Ohne solche Kenntnisse bleibt man als Arzt auf Gefühl, Talent und Zufall angewiesen.

 

Psychologische Führung des Patienten

Auch für den Patienten ist die Behandlung neu. Er ist nicht gewohnt, als mitdenkendes Subjekt in die Behandlung mit einbezogen zu werden. Er ist gewohnt, als körperliches Objekt segmentiert und an Hilfspersonal delegiert zu werden. Entsprechend ist sein Verhalten, teils indem er halbfertige Diagnosen liefert (“Ich hab´s an der Bandscheibe”), teils indem er darauf besteht, dort behandelt zu werden, wo er die Schmerzen hat, teils indem er gar nichts denkt.

Funktionelles Denken muss auch der Patient erst einmal lernen, damit er in den Stand versetzt wird, an seiner Genesung produktiv mitzuarbeiten. Diese Fähigkeit dem Patienten zu vermitteln, ist von der ersten Minute an eine der Aufgaben des Therapeuten.

 

Anamnese

Die Anamnese hat die möglichen pathologischen Veränderungen der Kinematik einzubeziehen. Bei der Erstanamnese muss die gesamte Biographie nach diesbezüglichen Faktoren durchforstet werden (Unfälle, Operationen, einseitige Tätigkeiten/ Sportarten, frühere therapeutische Maßnahmen).

 

Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung sind nicht die Beschwerden von Interesse, sondern die Bereiche, in denen der Patient nichts spürt. Denn hier liegen die Ursachen für die geklagten Beschwerden. Da, wo der Patient etwas fühlt, ist der Körper gesund. Untersucht wird mit der Hand. Mit dem Finger kann man Einschränkungen tasten, die den Körper in seinen Funktionen beschränken. Hierzu muss der Untersucher die Anatomie des Körpers kennen. Diese Anatomie ist eine Anatomie des lebenden Menschen. Sie erschließt sich nur dem tastenden Finger, mit welchem man auch in den tieferen Schichten des Körpers Vorgänge erfassen kann, welche dem Auge nicht zugänglich sind. Zu tasten sind die bindegewebigen Binnenstrukturen des Muskels (Einzelfasern), Mechanorezeptoren des Muskels, Grenzflächen zwischen Muskeln und unterschiedliche Funktionszustände des Muskels. Da ein Muskel nie alleine arbeitet, sind stets ganze Muskelketten zu bewerten.

 

Behandlung

Der Körper ist kein Hefeteig, der umso besser wird, je mehr er geschlagen wird. Wenn man versucht, den Körper von außen zu ändern, dann kann man ihn allenfalls zusätzlich schädigen. Deswegen sind Dehntechniken bei uns strikt verboten.

Wenn Änderung vonnöten ist, dann kann diese nur der Körper selbst über seine innere Regulation durchführen. Ein Muskel wird nicht länger, indem man daran zieht. Er wird jedoch länger, wenn zusätzlich kontraktile Bauteile in Serie in die Faser eingebaut werden. Diese serielle Massenvergrößerung des Muskels dauert einige Tage und findet bestimmt nicht in der Arztpraxis statt. Innerhalb der Praxis können und müssen die Signale gesetzt werden, die dem Körper vermitteln, dass etwas fehlt.

Eine Signalsetzung ist ein Schwellenvorgang und dauert Bruchteile von Sekunden. Eine effektive Therapie ist also ein Sekundenphänomen. Signale nimmt der Muskel über seine Sinnesorgane (Mechanorezeptoren) auf. Hier und nicht am Muskel selbst kann therapeutisch eingegriffen werden. Mit geeigneten Stimulationstechniken werden hier gewünschte Veränderungen eingeleitet.

 

Injektionen mit Lokalanästhetika

Ein Lokalanästhetikum (Scandicain 1%) hat zwei Wirkungen. Im Moment des Anflutens des Wirkstoffes kommt es zu einer maximalen Reizung des Gewebes. Anschließend wird die Wiedererregbarkeit des Gewebes für die Wirkdauer blockiert. Diese zweite Wirkung wird normalerweise genutzt, wenn durch Verabreichung an Nerven eine örtliche Betäubung gewünscht ist. Für uns ist dies uninteressant, da keine Betäubung gewünscht ist.

Die erste stimulierende Wirkung ist der Therapieeffekt. Mit dem Heranbringen des Wirkstoffes kommt es zur Signalsetzung und zu einer sofortigen Umregulierung entsprechender Funktionen. Konkret: die pathologische Spannung im Bindegewebsraum des Muskels, welche die Schmerzursache darstellt, verschwindet augenblicklich. Mit der Injektion ist der Patient schmerzfrei. Da es zu einer Umregulierung gekommen ist, braucht die Injektion nicht wiederholt werden. Die Wirkung ist endgültig.

Jede einzelne pathologische Spannung steht für einen einzelnen Schmerz. Im Laufe der Zeit kann der einzelne Patient sich eine größere Ansammlung solcher Spannungen zugelegt haben. Jede Spannung muss einzeln aufgelöst werden. Dies heißt, dass anfangs ggf. eine größere Anzahl von Injektionen notwendig ist.

Der große Vorteil der Injektion besteht darin, dass die Flüssigkeit in Winkel und Ecken eindringt, wo sonst kein Zugang möglich ist. Somit ist eine maximal intensive Wirkung gegeben. Der Nachteil besteht in der psychologischen Belastung des Patienten. Die Spritze tut weh.

 

Manuelle Stimulation

Da der Muskel über Mechanorezeptoren reguliert wird, kommen mechanische therapeutische Reize der natürlichen Situation noch am nächsten. Diese kann man mit dem tastenden Finger setzen. Nach Aufsuchen der Rezeptoren kann durch geeignete Stimulation bis über deren Reizschwelle die gewünschte Reaktion im zugehörigen Muskel erreicht werden. Wie bei der Injektion verschwindet die pathologische Spannung und damit die Schmerzursache. Manuelles Vorgehen ist notwendig, wo Injektionen nicht möglich sind (im Bauchraum, bei der Halswirbelsäule und Kindern, sowie bei sonstigen Risiken).

 

Definiertes assistiertes Üben

Wenn Schmerzen bestehen, ist der Körper nicht krank. Die Geometrie ist entgleist, die Funktionen sind jedoch weiterhin verfügbar. Die schmerzhaften Funktionen sind gesund, während die Gegenfunktionen gestört, jedoch nicht schmerzhaft sind. Sie beinhalten die Schmerzursache. Das Wiederauftrainieren dieser Gegenfunktionen beseitigt die Schmerzursachen von innen heraus. Dies ist sozusagen der biologische, natürliche Weg. In der freien Natur, wo man gezwungenermaßen vielseitig bewegen und belasten muss, ist dies der Normalzustand. Die freie vielseitige Beanspruchung fehlt dem modernen Menschen. Partiell muss dies in der Arztpraxis nachgeholt

werden.

Die Technik ist schwierig. Sie erfordert vom Patienten das höchste Maß an Kooperationsfähigkeit und vom Therapeuten das höchste Maß an Kontrollfähigkeit.

Wenn sowohl Injektionen wie manuelle Maßnahmen nicht möglich sind, bleibt das assistierte Üben als letzte Möglichkeit übrig. Dies ist der Fall, wenn Probleme in Körperbereichen lokalisiert sind, wo anatomisch kein Zugang besteht (Brustraum, oberer Bauchraum).

Gleichwohl diese Technik die schwierigste ist, ist sie die einzige, die immer möglich ist, da sie ausschließlich auf physiologischen Prozessen aufbaut.

 

Physiotherapie

Manuelle Maßnahmen und assistiertes definiertes Üben können auch von Physiotherapeuten durchgeführt werden.

 

Bewusstseinsschulung

Was verändert werden soll, ist der Willkürapparat des Körpers, der Skelettmuskel. Dieser Muskel wird vom Kopf des Patienten und nicht vom Kopf des Therapeuten gesteuert. Der Patient hat jedoch die Kontrolle über seinen Muskel verloren. Dies ist es ja gerade, was ihn zum Patienten macht. Erster therapeutischer Schritt ist die Wiederherstellung verlorengegangener bewusster Zugänge zu entsprechenden Skelettmuskeln. (Innere Wirbelsäulenmuskeln, Darmbeinmuskel, Fußsohlenmuskeln).

Ein Muskel ist kein homogenes Gebilde. Er besteht aus vielen Einzelfasern. Jede Faser arbeitet in eine andere Richtung. Innerhalb des Muskels gibt es verschiedene Schichten, da die meisten Muskeln dreidimensional arbeiten. Es ist zwischen Sehne und Veränderlichem Anteil zu unterscheiden. Das wichtigste: Der Muskel ist von einem dreidimensionalen Bindegewebsgerüst durchsetzt, welches genauso in die Bewegungsvorgänge eingebunden ist, wie die aktive Faser selbst. Es entfaltet sein Eigenleben dann, wenn die aktive Faser an ihre Begrenzung kommt, dann, wenn der Muskel relativ überdehnt wird. Ein Muskel arbeitet nicht alleine. Er ist Teil einer ganzen Kette, die wiederum eine Muskelkette als Gegenspieler hat.

Alle inneren Strukturen kann man erfühlen und damit kontrolliert verändern lernen. Diese Fähigkeiten dem Patienten zu vermitteln, ist die wichtigste physiotherapeutische Aufgabe.

Zur praktischen Durchführung haben wir eine Palette von Übungen und therapeutischen Techniken entwickelt. Alle Übungen sind ohne spezielle Geräte im normalen Alltag durchführbar.

Die Beherrschung des eigenen Körpers ist Voraussetzung für dauerhafte Genesung. In den meisten Fällen gelingt die Vermittlung notwendiger Fähigkeiten im Verlauf einiger Tage. Manchmal dauert es auch länger.

Walter Packi, Arzt

Praxis

Heilpraktikerin für Physiotherapie

Anke Richter
Niedere Hauptstraße 41

02708 Kottmar

OT Niedercunnersdorf

 

Kontakt

 

Telefon: 035875-240041

 

 

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© Heilpraktikerin für Physiotherapie Anke Richter - Biokinematik in Kottmar - Biokinematik nach Walter Packi, Arzt und Begründer der Biokinematik oder Biophoronomie.