Schmerztheorie - Therapie nach den Kriterien der Biokinematik am Beispiel eines Bandscheibenvorfalls

 

Der Bandscheibenschaden

Ca. 50000 Menschen werden jährlich in der BRD an Bandscheiben operiert. Der Grund für die Operation sind Schmerzen und /oder Kribbelmissempfindungen ggf. gepaart mit Lähmungen. Die Theorie besagt, dass sich die Bandscheibe verlagert hat, auf den Nerv drückt und diesen damit schädigt. Obgleich diese Theorie noch nie glaubwürdig war, wird sie heute weltweit vertreten.

Angenommen, diese Theorien sind falsch, dann wäre nicht eine von diesen weltweit hunderttausenden von Operationen tatsächlich notwendig. Dies würde weiterhin bedeuten, dass durch jede dieser Operationen der betroffene Mensch unnötigerweise lebenslang geschädigt wird und mit Beschwerden zu rechnen hat. Dies beträfe in besonderem Maße die Operationen im Halswirbelsäulenbereich. Hier sind die Folgeschäden unausweichlich und besonders drastisch.

Die Medizin hat hierfür den treffenden Namen „Postdiskektomiesyndrom“ entwickelt.

Im Folgenden wird aufgezeigt, dass für den Bandscheibenschaden speziell und Schmerzen im Allgemeinen auch andere Auffassungen möglich sind. Zur Erläuterung dient die Heranziehung und logische Einordnung einiger allgemein bekannter Grundlagenkenntnisse aus der Medizin.

 

Grundlagen

Die Nervenkompression

Es gibt wohl kaum einen Menschen, dem noch nie die Beine eingeschlafen sind, wenn er einmal auf einer harten Stuhlkante gesessen hat. Er hat mit seinem Gewicht auf seinen Ischiasnerven gedrückt, bis dieser seine Funktion aufgegeben hat. Dies ist ein Nervenkompressionssyndrom.

Der Nerv wird druckgeschädigt. Dies ist anfangs reversibel, später irreversibel. Der Nerv kann höchstens zehn Minuten komprimiert werden, dann ist seine Funktion vollständig gestört. Die Regeneration dauert, vom Rückenmark gerechnet, etwa ein Millimeter pro Tag. Für den Fuß bedeuten dies ca. 100 Tage Lähmung, bis die Funktion langsam wiederkehrt.

 

Nervenfunktion

Ein Nerv hat die Aufgabe, Informationen weiterzuleiten. Er hat nicht die Aufgabe Informationen selbst herzustellen. Informationen werden vom Gehirn an die peripheren Organe übermittelt und umgekehrt von peripheren Sinnesorganen zum Gehirn. Fällt die Nervenverbindung aus, dann gibt es keine Information. Weder in der Peripherie noch in der Zentrale. Für einen gemischten Nerven wie den Ischiasnerven bedeutet dies, dass man nichts mehr fühlt und seine Muskeln nicht mehr aktivieren kann. Sensibilität und Motorik sind ausgefallen.

 

Leitungsanästhesie

Wenn ein Arzt operieren muss, dann benötigt er eine Anästhesie, damit die Operation schmerzfrei durchgeführt werden kann. Dafür gibt es z.B. die Leitungsanästhesie. Hier wird an einer anatomisch geeigneten Stelle mit einem Lokalanästhetikum der zuständige Nerv für eine gewisse Zeit in seiner Funktion blockiert, d. h. chemisch geschädigt. Nachdem das Anästhetikum vom Körper abgebaut wurde, kehrt die Funktion des Nerven zurück. Weil der Nerv geschädigt Wurde, kann er Information nicht weiterleiten, und es kann schmerzfrei operiert werden.

 

Nervenkompression durch Bandscheiben

Jeder Nerv im Körper reagiert gleichartig, außer wenn die Bandscheibe auf den Nerv „drückt“. Hier soll, nach der gängigen Theorie, alles ganz anders sein. Der Nerv wird nicht zerstört, sondern im Gegenteil höchst aktiv. Statt einer Nullfunktion ergeben sich neue Funktionen, nämlich die Bildung von extremen Schmerzen und neuen Gefühlen, wie Kribbelgefühl und Taubheitsgefühl.

Warum diese Phänomene einzig auf die Umgebung der Bandscheiben beschränkt sein sollen, wird nirgends in der Medizin erklärt. Die Gesamtheit der Medizin geht davon aus, dass dem ebenso ist.

Es gibt keinen Menschen, dem die Beine eingeschlafen waren, weil er auf einer Stuhlkante gesessen hatte, der angeben kann, dass dies den bekannten Ischiasschmerz zur Folge gehabt hätte.

Eine Spanne oberhalb des Gesäßes soll der gleiche Nerv bei dem gleichen Kompressionsschaden nach der medizinischen Theorie plötzlich ganz anders reagieren und die bekannten Schmerzen hervorrufen. Dies ist unlogisch und wissenschaftlich nicht haltbar.

 

Die Bandscheibe

Die Bandscheibe ist im lebendigen Zustand weder Scheibe noch Band. Sie wird dies erst nach entsprechender Zeit im Formalinbad. Sie ist eine inhomogene, halbfeste, hochelastische Struktur.

Außerdem ist sie wesentlich schmäler, als dies auf Röntgenbildern aussieht. Wer es genau wissen will, sollte sich in der nächsten Metzgerei eine Schweinehälfte oder auch sein nächstes Kotelett auf dem Teller genauer ansehen, um realistische Vorstellungen über diese Struktur zu bekommen.

 

Der Bandscheibenvorfall

Eine Bandscheibe verlagert sich nicht von alleine. Sie hat keine Füße. Die Bewegungen der Bandscheibe sind an die Bewegungen der benachbarten Wirbelkörper gekoppelt. Wenn die Bandscheibe irgendwohin ausweicht, dann erfolgt dies im Zusammenhang mit entsprechenden Wirbelbewegungen. Die Wirbel bewegen ebenfalls nicht von alleine. Wirbel sind Calciumphosphat-Apatitkristalle - also Steine. Ein Stein bewegt nicht von alleine. Das, was die Knochen bewegt, sind die Muskeln im Körper. Wenn ein Knochen nicht bewegen kann, dann muss folgerichtig gefragt werden, welcher Muskel nicht mehr im Stande ist, diesen Knochen zu bewegen.

An der Bandscheibe befinden sich keine Muskeln. Daür gehen von den benachbarten Wirbelknochen umso mehr Muskeln aus. Wenn eine Bandscheibe, eingeklemmt zwischen zwei Wirbelknochen, nicht mehr bewegen kann, dann stellt sich die Frage, welche der Wirbelsäulenmuskeln derart inaktiv geworden ist, dass es zu der Bandscheibenverlagerung gekommen ist. Wenn dies bekannt ist, dann ist damit auch die Frage beantwortet, wieso der Bandscheibenvorfall entstanden ist.

 

Der Musculus psoas

Da die Bandscheibe nach rückwärts verlagert ist, muss demgemäß der verursachende Muskel bauchseitig liegen. Beim Menschen heißt dieser Muskel Musculus psoas. Beim Schwein oder beim Rind ist es das Filet.

Dieser Muskel verbindet die untere Wirbelsäule mit dem Oberschenkel. Beim Sitzen befindet er sich in stark verkürzter Stellung, ebenso beim Schlafen mit angewinkelten Beinen und ebenso in der sog. Stufenlagerung, wenn ein Bandscheibenpatient auf den Rücken gelegt wird und zur Schmerzlinderung eine Kiste unter die Beine gelegt wird.

Dies wird in den Kliniken als Entlasttmgslagertmg angeboten, da in dieser Stellung der Schmerz geringer wird. Dass mit dieser Stufenlagerung der Bandscheibenvorfall verstärkt wird, interessiert offensichtlich nicht und belastet offensichtlich auch nicht das Hinterfragen der Theorie.

Nach einigen Wochen Stufenlagenmg ist spätestens darın der Bandscheibenvorfall perfekt, womit die Operation endgültig indiziert erscheint. On n`y soit qui mal y pense.

 

Muskelfunktion

Die einzige veränderliche Struktur im Körper ist der Muskel. Ein Muskel kann dick und dünn sein, lang und kurz. Ein Muskel kann seinen Zustand in wenigen Tagen ändern. Einige Tage Bettlägerigkeit und man fühlt sich schwach. Einige Tage körperliche Arbeit und man fühlt sich stark. Wer kennt dies nicht?

Funktionen, die nicht genutzt werden, verkümmern. Ein Muskel, der fortwährend in verkürzter Stellung gehalten wird, verliert seine Bewegungsfähigkeit.

Ein Muskel besitzt eine Grundspannung, die auf seiner Grundaktivität beruht. Auch im Schlaf wird jeder Muskel des Körpers sechs bis zwölf mal pro Sekunde aktiviert. Dies ergibt die Grundspannung (Grundtonus). Wirklich locker ist ein Muskel nie, außer wenn der Nerv zerstört ist, wie bei der Kinderlähmung.

 

Bandscheibenvorfall als Folge der Psoasspannung

Dies betrifft auch den M. psoas. Wenn dieser Muskel wegen des heutigen andauernden Sitzens verkürzt ist, verlagert er die Bandscheibe nach hinten. Nach vorne kann sie nicht mehr, da die Spannung des Muskels dies verhindert. Dies ist dann der Bandscheibenvorfall.

Jetzt kann durchaus, um die Spannung aus dem Muskel zu nehmen, die Bandscheibe entfernt werden. Damit bekommt der M. psoas wieder etwas Spielraum, da einige Millimeter Distanz für den Muskel gewonnen werden. Das zugehörige Wirbelsegment ist aber für den Rest des Lebens zerstört. Der Schmerz ist erst einmal gemindert. Ca. 20% der Operierten sind schmerzfrei.

Einfacher und gesünder wäre es allerdings, den Muskel wieder umzutrainieren, so dass er wieder eigenen Bewegungsspielraum bekommt. Dies kostet einige Tage Mühe und ist nicht unbedingt einfach. Die Operationen würden allerdings entfallen. Und der Patient hätte Ruhe für den Rest des Lebens. Muskeltraining kann ein Patient auch ohne Arzt durchführen. Er wäre für den Rest des Lebens unabhängig von der Medizin.

 

Der Bandscheibenvorfall ist Endpunkt einer langen Entwicklung

Bis der M. psoas eine so hohe Grundspannung bekommt, dass es zu der immobilen Bandscheibenverlagerung kommt, muss einiges passieren. Der Bandscheibenvorfall ist der Endpunkt einer langen Entwicklung. Es gibt eine Reihe weiterer Muskeln, die ebensolche Spannungsasymmetrien aufweisen wie der M. psoas. Dies ist zunächst der gerade Bauchmuskel, dann der gerade Oberschenkelmuskel, der große Gesäßmuskel, der große Adduktor und schließlich der Darmbeinmuskel als Begleitmuskel des M. psoas.

All diese Muskeln sind Opfer der Sitzhaltung. In Anpassung an die Sitztätigkeit werden Bewegungsumfang und Kraft dieser Muskeln vom Körper entsprechend eingerichtet. Das Problem ist, dass selbst der heutige Mensch gelegentlich noch Gehen und Rennen muss. Hierzu ist eine Aufrichtung des Beckens und der Wirbelsäule Voraussetzung. Die antrainierten Sitzasymmetrien der zuständigen Muskeln erlauben dieses Aufrichten irgendwann nicht mehr. Die Folgen sind die entsprechenden Schmerzen und, als Strukturveränderung, die Bandscheibenverlagerung.

 

Schmerzen, Kribbelparästhesien und Lähmungen

Lähmungen sind nicht auf Nervenschädigungen beschränkt. Es gibt myogene und neurogene Lähmungen. Eine neurogene Lähmung ist die Kinderlähmung oder die Leitungsanästhesie. Eine myogene Lähmung ist z.B. bereits die Ermüdung nach Anstrengung. Es gibt eine ganze Palette von myogenen Lähmungen.

Ein Muskel arbeitet nie alleine. Wenn ein Muskel verkürzt, muss sein Gegenspieler verlängern. Zugehörige Knochen werden über entsprechende Gelenke bewegt. Ein ganzer Mechanismus kommt in Bewegung. Wenn ein Muskel arbeitet, pflanzt sich diese Tätigkeit über den gesamten Körper hinweg fort. Auch im Körper ist eine Kette so stark wie ihr schwächstes Glied. Im Körper bestimmt der schwächste Muskel in der Kette die Gesamtleistung. Wenn ein Glied der Bewegungskette, ob Gelenk, Knochen oder Muskel, seine mechanische Funktion verloren hat,

dann ist die Gesamtbewegung blockiert. Es entsteht die Lähmung als Entgleisung der Kinematik.

 

Lähmungen

Wenn ein Glied der Kette seine Funktion komplett eingestellt hat, ist damit die gesamte Kette blockiert, also gelähmt. Im Falle der Fußheberschwäche, die auf den Bandscheibenschaden zurückgeführt wird, ist dies, wie die Erfahrung zeigt, regelmäßig der Darmbeinmuskel. Der Fuß kann nicht mehr gehoben werden, weil der Beginn der Bewegung im Darmbeinmuskel nicht mehr möglich ist. Das Reaktivieren des Darmbeinmuskels wird diese Lähmung beseitigen.

 

Parästhesien

Der Skelettmuskel ist das Erfolgsorgan der Willküraktivität. Von alleine tut der Skelettmuskel nichts. Ohne Willkür keine Tätigkeit, dies im Gegensatz zur autonomen Muskulatur, wie dem Darm oder den Gefäßen.

Umgekehrt sind die momentanen Aktivitäten und Zustände der Skelettmuskulatur dem Bewusstsein stets zugänglich. Man weiß, was man tut, wie stark man ist, was man kann oder nicht kann. Müdigkeit wird gefühlt, ebenso wie Ausgeruhtheit, Kraft, Spannung und Verspannung. Der Mensch fühlt seinen Körper, genauer seine Muskulatur, in all ihren Zuständen. Der Zustand kann gut oder schlecht sein. Für jeden Zustand gibt es die zugehörige Empfindung. Muskelzustände, die subtotal eingeschränkt sind, werden als Missempfindungen wie Kribbel- oder Taubheitsgefühle empfunden. Diese Missempfindungen sind, weil die muskulären Zustände

sehr schnell wechseln können, auch nie konstant. Sie wechseln von Tag zu Tag. Spätestens dann wird dies deutlich, wenn mit reinen Muskeltechniken die Funktion wiederhergestellt ist und die Missempfindungen schlagartig verschwinden.

Nervenschäden hinterlassen eine Nullempfindung keine Missempfindung. Bei Nervenschäden spürt man gar nichts, bei Muskelschäden unangenehme positive Empfindungen. Taubheit und Nullempfindung sind zweierlei Dinge. In der Medizin wird aus gutem Grund zwischen Anästhesie und Parästhesie unterschieden. In der Bandscheibentheorie werden diese Grundlagen der Neurologie großzügig übergangen. Bestenfalls werden in Zweifelfällen die Patientenbeschwerden zu irgendwelchen psychogenen Kausalitäten stilisiert.

 

Schmerzen im Allgemeinen

Allein die Tatsache, dass Schmerzen im Zusammenhang mit Bandscheibenschäden in der Stufenlagerung oftmals gemindert werden, zeigt, dass Schmerzen mit den Bandscheiben nichts zu tun haben können. Der Bandscheiben-schaden wird durch die Stufenlagerung schließlich verstärkt statt gemindert.

Jeder, der einmal Schmerzen hatte, weiß, dass Schmerzen durch Bewegung verstärkt werden und durch Immobilisierung abgeschwächt werden. Was weh tut, ist damit die Bewegung und nicht der Körper, die Bandscheibe oder der Nerv. Beim Aufstehen tut es weh, beim Hinlegen wird es besser. Der Vorgebliche Schaden kann in diesen wenigen Sekunden schwerlich gebessert sein.

Wenn Schmerzen verstanden sein wollen, dann muss also nach den Prinzipien der Bewegung gefragt werden. Diese haben im biologischen Körper andere Eigenschaften als die Bewegungen, die die menschliche Technik hervorgebracht hat. Verstanden werden können sie trotzdem. Sie sind mit den mathematischen Mitteln der Kinematik zu erfassen und unterliegen damit klaren Gesetzmäßigkeiten.

 

Pathologie der Bewegungsmechanik (Patho-Kinematik)

Wie jede Mechanik kann auch die körperliche Mechanik Störungen unterworfen sein. Im menschlichen Körper kommen diese Störungen zu Bewusstsein, da das Bewusstsein das Kontrollorgan eben dieser Mechanik ist.

Eine dieser Störungen ist die Störung der geometrischen Bewegungsbahn mechanisch relevanter Körperteile. Der adäquate Bewusstseinsprozess bezüglich dieser Störung ist der Schmerz. Wird das Bewusstsein ausgeschaltet (Narkose), dann gibt es auch keinen Schmerz, obwohl der Körper immer noch der gleiche ist. Schmerz ist die Spiegelung eines körperlichen Vorgangs im Bewusstsein. Konkret ist Schmerz die Bewusstwerdung der gestörten Bewegungsgeometrie. Schmerz ist die Abstraktion einer Bahnaberration.

Man kann dies mit dem Auto vergleichen: Wenn an einem Reifen etwas Luft herausgelassen wird, wird der Durchmesser des Reifens geringer. Die Bewegungsgeometrie des Autos ist gestört, das Auto fährt nicht mehr geradeaus. Am Lenkrad spürt man dies. Dieses Gefühl am Lenkrad entspricht dem Schmerz im Körper.

Ebenso, wie die gestörte Geometrie im Auto zwar am Lenkrad fühlbar wird, die Ursache jedoch im Reifen liegt, ebenso verhält es sich im Körper. Da, wo man den Schmerz spürt, befindet sich die Ursache nicht. Die Ursache ist da, wo man nichts fühlt. Diese Ursache herauszufinden, ist Aufgabe einer effizienten Schmerztherapie.

 

Schmerztheorie

Schmerztherapie wird so zur Therapie der Körpergeometrie. Die einzige veränderliche Struktur und die einzige Struktur, die Aktivitäten verrichtet und dem Bewusstsein zugänglich ist, ist der Muskel. Damit beschränkt sich die Schmerztherapie auf die Muskulatur.

Der Muskel hat eine Doppelfunktion. Er ist sowohl Motor als auch Getriebebauteil im System der körperlichen Mechanik. Er stellt die Kraft für die Bewegung her und bestimmt gleichzeitig durch die innere geometrische Anordnung seiner Einzelfasern den geometrischen Ablauf der Bewegung.

 

Bewegungskraft

Die Kraft kann mit dem Schmerz nichts zu tun haben, da gleichermaßen starke wie schwache Menschen Schmerzen haben können. Ob ein Körperteil mit viel oder wenig Kraft bewegt wird, hängt außerdem von den äußeren Beanspruchungen ab und nicht von der potentiellen Kraft, die ein Muskel besitzt. Krafttherapie ist somit keine Schmerztherapie.

Ob eine Bewegung mit viel oder wenig Kraft durchgeführt wird, hat auf den Ablauf der Bewegung keinen Einfluss. Dies ist wieder wie beim Auto. Ob viel oder wenig Gas gegeben wird, hat auf das Rollverhalten keinen Einfluss.

 

Bewegungsbahn

Wenn die geometrische Bahn gestört ist, dann kommt es zu unerlaubten Kraftwirkungen innerhalb des Systems. Die eigene Kraft beginnt das System selbst zu schädigen. Deswegen muss solch eine Aktivität gestoppt werden. Diese Selbstbehinderung zum eigenen Schutz ist der eigentliche Sinn des Schmerzes.

 

Muskelgeometrie

Die geometrischen Aufgaben des Muskels werden dadurch erfüllt, dass jede Einzelfaser des Muskels in eine andere Richtung zieht und eine eigene Länge hat. Wenn die Gesamtheit der Fasern aktiviert wird, dann verkürzen sich diese Fasern und ziehen den daranhängenden Knochen auf derjenigen Bahn hinter sich her, die der Anordnung dieser Fasern entspricht. Gleichzeitig muss der Gegenspieler dieses Muskels seinerseits mit seinem Fasersystem exakt die gleiche geometrische Bahn gewährleisten, indem seine Fasern auseinanderlaufen.

Hier nun beginnt das Problem. Verkürzen kann ein Muskel jederzeit. Die Frage ist, ob sein Gegenspieler lang genug ist, diese Verkürzung zu erlauben, und ob der Gegenspieler die gleiche geometrische Bahn definiert wie der aktive Schenkel der Bewegung. Wenn der passive Gegenspieler eine andere Bahn definiert als der aktive verkürzende Muskel, dann kommt es zum Konflikt. Zwei Muskeln an einem Knochen und jeder zieht woanders hin. Das tut weh.

 

Schmerzlokalisation

Obwohl bei jeder körperlichen Bewegung eine Vielzahl von Muskeln beteiligt ist, spürt man immer nur einen kleinen Teil der Gesamtaktivität. Generell werden lediglich die momentan aktiven, verkürzenden Muskeln bewusst wahrgenommen, auch im Fall der Störung, also der schmerzhaften Bewegung. Der passive Schenkel wird nicht wahrgenommen, auch und gerade wenn dieser die Bewegung torpediert. Bei der Suche nach der Schmerzursache muss damit der momentan passive, vom Körper nicht wahrgenommene Muskel ausfindig gemacht und wiederhergestellt werden.

 

Schmerztherapie

Der Schmerz befindet sich dort, wo die Muskulatur aktiv ist, also prinzipiell gesund ist. Die Schınerzursache liegt auf der anderen Seite. Wenn es im Kreuz weh tut, dann liegt die Ursache nicht im Kreuz, sondern im Bauch. Konkret: Der gerade Bauchmuskel verursacht den Hexenschuss. Der M. psoas verursacht die Schmerzen quer über dem Kreuzbein usw.

Da die Bewegungsbahn, die ein Muskel herstellt, von den Einzelfasern des Muskels abhängt, sind die Einzelfasern des Muskels zu untersuchen. Mindestens eine dieser Fasern muss aus dem Gefüge der restlichen Fasern ausscheiden, um die Geometrie stören zu können. Dies kann nur dadurch geschehen, dass diese Einzelfaser eine zu hohe Spannung beinhaltet. Wäre sie zu schlaff, könnte sie nicht stören.

Muskuläre Spannungen können mit dem Finger getastet werden. Eine Einzelfaser ist ca. ein bis zwei Millimeter breit. Spätestens in der schmerzhaften Bewegung, wenn diese Einzelfaser unter Spannung gerät, während die Nachbarfasern noch weich sind, demaskiert sich solch eine Faser. Schmerztherapie besteht darin, die erhöhte Spannung dieser Faser wieder auf Normalmaß zu bringen.

 

Praxis der Schmerztherapie

Jede Muskelfaser verfügt über Messfühler für Spannung, Kraft usw. (Sehnenspindel, Muskelspindel). Der Grenzbereich zum Knochen, wo die Zugspannung des Muskels in die Druckspannung im Knochen umgewandelt wird, ist wie überall, wo es zu Kraftrichtungswechsel kommt, ein kritischer Bereich. Sinnvolleıweise sind hier Messfühler eingebracht. Da der Körper insgesamt und die Muskelfaser im speziellen ein geregeltes System ist, ist es für die Steuerzentrale, das Gehirn relevant, welche Informationen die Messorgane abgeben. Ein Muskel tut von alleine nichts. Er tut das, was vom Gehirn angeordnet ist. Wenn die Spannung einer Einzelfaser zu hoch ist, dann deswegen, weil dies so angeordnet ist, und nicht, weil die Faser selbst dies bestimmt hätte.

Soll eine Gegenregulation eingeleitet werden, sind entsprechende Signale notwendig. Zur Signalgebung dienen die Messfühler. Die Messfühler sitzen im Winkel zwischen Sehne und Knochen. Wenn diese gereizt werden, kommt es zur Gegenregulation, der Herabsetzung der Spannung in eben dieser Faser.

 

Therapeutische Palpation (Druckstimulation)

Praktisch heißt dies, dass mit dem Finger auf diesen Bereich mechanischer Druck ausgeübt werden muss, welcher vom Gehirn als übermäßige Spannung dieser Faser interpretiert wird. Die Reizantwort besteht in der Herabsetzung der Faserspannung und damit der Normalisierung der Funktion. Damit ist dann eine Schmerzursache beseitigt.

 

Injektionstherapie (Chemische Stimulation)

Schmerztherapie ist also Stimulierung von relevanten Mechanorezeptoren. Neben dem mechanischen Finger-druckreiz können auch andere Reizmittel Verwendet werden. Das sicherste ist die Injektion eines Lokal-anästhetikums, welches primär ein Reizmittel ist und erst in zweiter Hinsicht ein funktionsblockierendes Mittel.

 

Assistiertes Üben

Der natürlichste Weg und gleichzeitig der beschwerlichste Weg ist die Normalisierung der Funktion durch die erzwungene Eigenaktivierung dieser Einzelfaser.

Die Faser wird unter Spannung gebracht, indem der Patient maximal in den Schmerz hinein bewegt. In dieser Position wird der Patient durch den Therapeuten fixiert. Anschließend aktiviert der Patient gegen den Widerstand des Therapeuten in umgekehrter Richtung, also aus dem Schmerz heraus. Damit wird die schmerzverursachende Muskulatur aus maximaler Länge heraus in Aktivität versetzt. Da in ebendieser Muskulatur ungleiche Spannungen herrschen, werden diejenigen Fasern mit erhöhter Spannung verstärkt belastet.

Die Aktivität muss nun solange gehalten werden und der Therapeut muss solange Widerstand geben und darf nicht erlauben, dass die Spannung verlassen wird, bis die Spannungen innerhalb des gestörten Muskels sich synchronisieren.

Dies ist die optimale Therapie, denn es sind zwei Aufgaben auf einmal erledigt worden. Die pathologische Spannung ist aufgelöst und der Muskel ist zusätzlich antrainiert worden (Längentraining), so dass Beweglich-keitsreserven angelegt werden. Es ist gleichzeitig der beschwerlichste Weg und ist dort angezeigt, wo weder palpatorisch noch mit Injektionen ein Eingreifen möglich ist.

 

Therapie der Schmerzen bei Bandscheibenproblemen

Schmerzen, Parästhesien und Paresen, die den Bandscheiben zugeordnet werden, werden von einer Reihe anderer Strukturen verursacht, nur nicht von der Bandscheibe und schon gar nicht vom Nerven.

Im Einzelnen sind dies Muskeln, die gut mit der Injektionsnadel erreicht werden können, so dass hier die Injektionstherapie angezeigt ist:

  • der M. rectus abdominis, der am Tuberculum pubis therapiert werden muss,
  • der M. rectus femoris, der an der Spina iliaca anterior inferior therapiert werden muss,
  • der M. adductor magnus, der im Winkel zwischen Femurschaft und Femurcondyle therapiert werden muss,
  • der M. glutaeus maximus, Pars femorale, der distal am lateralen Femur an seiner Insertion in der Linea aspera lateralis therapiert werden muss,
  • der M. glutaeus maximus, Pars tibiale, der parasacral an seinen gewöhnlich vier Ursprüngen therapiert werden muss.

Die Muskehı M. iliacus und M. psoas können nur manuell oder per assistiertem Üben korrigiert werden:

  • Der M. iliacus besteht im wesentlichen aus vier relevanten Teilen, die sich von lateral von der Spina iliaca anterior superior bis zur medialen Begrenzung des Os ilium an der ventralen Seite des Iliosacralgelenkes hinziehen. Der mediale Anteil verursacht regelmäßig Paresen und Parästhesien im Fuß (Fußheberschwäche).
  • Der M. psoas ist von ventral durch den Bauch palpatorisch zu erreichen. Zunächst wird der Teil, der den Corpus vertebrae der LWK 5 besetzt, erreicht und korrigiert, dami der Teil, welcher den Corpus veıtebrae des LWK 4 besetzt. Zuletzt werden die Anteile, die vom Querfortsatz der LWK 4 und 5 herrühren, korrigiert.

Therapiedauer

In welchem Ausmaß diese Muskulaturen behandelt werden müssen, hängt vom Zustand des Patienten ab. Die Arbeit muss jedoch nur einmal getan werden. Der Erfolg dieser Maßnahmen bleibt ohne aktives Zutun des Patienten ca. ein halbes Jahr bestehen. Dann kommen die alten Probleme langsam wieder, wenn die Ursachen, wie z.B. die Einsteifung durch die Sitztätigkeit, nach wie vor besteht.

Für den lebenslangen Erfolg ist deswegen die Umkonditionierung des Patienten unumgänglich notwendig. Der Patient muss lernen, Beweglichkeitsreserven in den besagten Muskeln anzulegen, damit er nie wieder in den Gefahrenbereich hineinschlittert. Konkret heißt dies, dass in der Wirbelsäule im aufrechten Stand eine Reklination (Rückneigung) von mindestens 45° erforderlich ist. Angestrebt werden 90° Reklination. In der üblichen Orthopädie wird diese Reklintionsfähigkeit als Hyperlordosierung (Hohlkreuz) durchgehend abgelehnt, womit ein Patient dann Dauerpatient bleiben muss.

Normalerweise ist diese Bewegungsfähigkeit innerhalb ein bis zwei Wochen zu erreichen.

 

Therapieversager

Verzögerungen und Therapieversager kann es speziell geben, wenn ein Patient bereits bandscheibenoperiert ist. Hier sind Wirbelsegmente chirurgisch destabilisiert worden, was in der Regel eine reflektorische Bindegewebs-spannung im Bauchraum hinterlässt, die den palpatorischen Zugang bis hin zur Unmöglichkeit erschwert, wie auch das eigene Üben ebenso stark behindert. Hier kann es Wochen und Monate dauern, bis ein Erfolg zustande kommt.

Unfallereignisse, die wirbelsäulennah verlaufen sind, können ähnliche Probleme bereiten.

Weitere Probleme können durch sonstige Faktoren entstehen, wie extreme Adipositas, Verwachsungsbäuche, mangelnde Motivation des Patienten und sportliche Figuren, die sich solch einen Waschbrettbauch antrainiert haben, dass die Bauchdecke die Eigenschaften eines Trampolins angenommen hat.

Selbstredend muss bei der Palpation im Bauchraum auf die Integrität der inneren Organe geachtet werden, also Darm und Gefäße

 

Zusammenfassung

Die Therapie von Bandscheibenproblemen ist ein beherrschbares Problem, wenn etwas umfanglicher gedacht wird und die Grundlagen von Physiologie, Anatomie und Physik stringent beachtet werden. Die Therapie erfordert viel handwerkliches Können, wie dies jedoch in jedem anderen Fachgebiet ebenso der Fall ist. Totale Therapieversager gibt es selten, da die großen Beckenmuskeln gut erreichbar sind. Die Prognose ist zuverlässig gut, hängt jedoch von der Eigenaktivität und der Einsicht der Patienten ab. Ist diese nicht gegeben, dann kommen erfahrungsgemäß nach einem halben Jahr die alten Probleme zurück.

Walter Packi, Arzt

Praxis

Heilpraktikerin für Physiotherapie

Anke Richter
Niedere Hauptstraße 41

02708 Kottmar

OT Niedercunnersdorf

 

Kontakt

 

Telefon: 035875-240041

 

 

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© Heilpraktikerin für Physiotherapie Anke Richter - Biokinematik in Kottmar - Biokinematik nach Walter Packi, Arzt und Begründer der Biokinematik oder Biophoronomie.